Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum

11.02.2012

Initiativkreis der Kirche bittet um Unterzeichnung einer Petition

„Unbegrenztes Wirtschaftswachstum führt zu einem Ressourcenverbrauch, der langfristig unsere Lebensgrundlagen zerstört, den Klimawandel anheizt und die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderdriften lässt – deshalb braucht es eine neue Art des Wirtschaftens“, sagte Dr. Brigitte Bertelmann, Ökonomiereferentin im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN am 10. Februar 2012 in Mainz. Damit weist sie auf die Aktion des evangelischen Initiativkreises „Anders wachsen“ hin, die auch Katrin Göring-Eckardt, Präses der EKD-Syonde, unterstützt.

Auf der Webseite www.anders-wachsen.de wird dazu aufgerufen, eine Petition an den Rat und die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) online zu unterzeichnen. Wer sich beteiligt, appelliert an diese kirchlichen Gremien, sich an Verantwortliche in Politik und Wirtschaft zu wenden, um sie zu einem Ende des Zwangs zum Wirtschaftswachstum aufzufordern.

Erfolgreicher Wandel ist möglich – einige Unternehmen als Vorreiter
Doch wie realistisch ist eine Alternative zum bisherigen Wirtschafts-System? Birgt ein solches Experiment nicht ein hohes Risiko für die Existenz eines Unternehmens? Denn die Konkurrenz schläft nicht. Ökonomie-Expertin Bertelmann zeigt Verständnis: „Für eine einzelne Firma ist es eine echte Herausforderung, sich dem Credo des unbegrenzten Wachstums zu entziehen – und doch es gibt Auswege.“ Sie nennt genossenschaftlich organisierte Betriebe wie die Elektrizitätswerke Schönau oder die GLS-Bank. Auch einige regional tätigen Handwerksbetriebe oder mittelständische Unternehmen, die einen verlässlichen Markt in der Umgebung vorfinden, sind diesen Schritt bereits gegangen.

„Der Erfolg einige dieser Unternehmen zeigt: Es darf durchaus Entwicklung und Wachstum geben – aber dies sollte nicht auf Kosten der Umwelt oder der weniger wohlhabenden Bevölkerung geschehen“, verdeutlicht Brigitte Bertelmann.

Eine andere Haltung bewirken
Damit der wirtschaftliche Wandel nicht in Einzelbeispielen stecken bleibt, braucht es grundsätzliche Änderungen des Systems:

  • Individueller Beitrag jedes Verbrauchers: Jeder Bürger hat die Möglichkeit, seine Lebens- und Konsumkultur auf nachhaltige, faire und ökologisch produzierte Produkte auszurichten.
  • Unterstützung von Initiativen wie dem „Netzwerk solidarische Ökonomie“, das beispielsweise die Kampagne „Betriebe in Belegschaftshand“ organisiert. Zu nennen wäre auch die Initiative „Gemeingüter – nehmen & geben“. Deren Mitglieder engagieren sich für eine gerechtere Gesetzgebung, damit umweltfreundlich und sozial fair wirtschaftende Betrieben keinen Wettbewerbsnachteil haben.
  • Politisches Engagement: Eine Politik, die sich für nachhaltiges Wirtschaften auf nationaler und internationaler Ebene einsetzt, braucht in einer demokratischen Gesellschaft die Unterstützung der breiten Bevölkerung  bei den Wahlen.


Credo des Kirchenpräsidenten
Die Idee eines anderen Wachstums hatte im Mai letzen Jahres auch Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, auch den Wirtschaftsverantwortlichen auf dem „1. Oberurseler Werte & Wirtschaftskongresses“ ans Herz gelegt. In seiner Rede hatte er den Leitgedanken der Wirtschaft in Zweifel gezogen: „Viele verbinden mit einem großen Wirtschaftswachstum auch die Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit.“

Dagegen zeigte sich Jung überzeugt: „Wirtschaftswachstum löst nicht die globalen ökologischen Probleme des Ressourcenverbrauchs, des Klimawandels und auch nicht die sozialen Fragen der größer werdenden Kluft zwischen arm und reich.“ Jung plädierte für einen „grundsätzlichen Abschied vom Prinzip Schneller – Höher – Weiter!“ und für „das neue Paradigma Anders – Besser – Weniger“.

Die Petition unterzeichnen auf der Webseite www.anders-wachsen.de

Quelle: ekhn.de

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