Dialog nicht möglich
16.02.2012
Pfarrerin Ilona Klemens zum Umgang mit Salafisten
Ein muslimischer Freund von mir nennt sie gern spöttisch die „Michael Jacksons“ im Islam – die Salafisten, deutlich erkennbar an ihrer Kleidung, insbesondere an den gerade knöchellangen Hosen, die dadurch an jenen Superstar der Musikszene erinnern. Dazu kommen noch lange Bärte und Hemden sowie meist weiße Häkelkäppchen, mit denen sie sofort im Straßenbild Frankfurts auffallen.
Seit einigen Jahren machen sie von sich reden und im letzten Jahr ist ihr eigener „Superstar“, der zum Islam konvertierte deutsche Prediger Pierre Vogel, einige Male in Frankfurt öffentlich aufgetreten und hat medial vor allem negatives Aufsehen erregt.
Neuerdings verteilt nun der salafitische Verein „Dawa-FFM“ auf der Zeil Korane und wirbt offensiv für den Islam. Dies ist zunächst einmal legitim und von Religions- und Meinungsfreiheit in Deutschland gedeckt. Religionen und Weltanschauungen dürfen für ihre Überzeugungen werben und Menschen dürfen ihre Religion wechseln – sofern dies in aller Freiheit und mit friedlichen Mitteln geschieht.
Hier bewegen wir uns dann aber in einen Grenzbereich, den die salafitische Ideologie mit ihrem deutlich fundamentalistisch-extremen Weltbild nicht nur berührt, sondern häufig auch überschreitet:
Ideologie
widerspricht demokratischen Vorstellungen
Genannt
nach den „Al-Salaf al-Salih“, den „lauteren Vorfahren“, lehnen Salafisten
zeitgemäße Interpretationen des Islam ab und propagieren eine Rückkehr zu einem
vermeintlich wortgetreu den Quellen folgenden „reinen“ Islam, wie er ihrem
Verständnis nach zu den Zeiten des Propheten Mohammed und seiner Nachfolger im
7. und 8. Jahrhundert gelebt wurde. Politische Parteien verwerfen sie ebenso
wie Wahlen, weil sie in diesen Formen menschlicher Gestaltungsfreiheit die
absolute Souveränität Gottes infrage gestellt sehen. Als Neuerung (bid’a) oder
Polytheismus (shirk) bekämpfen sie alle Glaubens- und Lebensformen, die sie als
Abweichung vom „reinen“ Islam verstehen. Kuffar („Ungläubige“) sind für sie daher
nicht nur Angehörige anderer Religionen oder Atheisten, sondern oft solche
Muslime, die in ihrem Denken und Handeln nicht dem strengen salafitischen
Islamverständnis folgen. Als „unislamisch“ abgelehnt und bisweilen bekämpft
werden daher auch Sufis (islamische Mystik) und schiitische Muslime.
Charakteristisch für den Salafismus ist vor diesem Hintergrund sein
Missionseifer mit einem ausgeprägten Kult um Konversionen zum Islam, sowie die
häufige Praxis des Takfir – wenn nämlich andere Muslime aufgrund ihrer
vermeintlichen „Verfehlungen“ zu „Ungläubigen“ erklärt werden.
Damit widerspricht diese Ideologie demokratischen Vorstellungen von Pluralismus, Gleichwertigkeit, Selbstbestimmung und Freiheitsrechten. In seiner radikalsten Form kann sie zur Legitimation von Gewalt gegen „Feinde des Islam“ führen, wie sie der sogenannte „Jihadismus“ propagiert. Der Frankfurter Gruppe Dawa-FFM wird eine Nähe zu dieser extremen Ausrichtung des Salafismus nachgesagt und sie wird deshalb vom Verfassungsschutz als gefährlich eingestuft. Das Verteilen der Korane wird als Versuch gewertet, sich als harmlos und salonfähig zu präsentieren. Ähnlich wie andere politisch oder religiös extremistischen Gruppen wissen natürlich auch Salafisten gut die Freiheiten einer demokratischen Gesellschaft für ihre Zwecke zu nutzen.
Was ist zu tun?
1.
Sowohl Muslimischem Extremismus als auch Islamfeindlichkeit entgegentreten
Ein
Dialog mit überzeugten Salafisten ist meiner Erfahrung und Einschätzung nach
nicht möglich und auch nicht angemessen. Sie lassen in der Regel jeglichen
Respekt für Andersgläubige vermissen und bedienen sich meist rein polemischer
und damit abwertender Rhetorik gegenüber allem, was nach ihrer Meinung nicht
islamisch ist. Sie diffamieren zudem den interreligiösen Dialog und alle
Bemühungen um ein friedliches Miteinander als Heuchelei. Hier berühren sie sich
interessanterweise mit der islamfeindlichen Szene. Pierre Vogel benutzt
beispielsweise gern den dort geprägten Begriff „Interreligiöser DiaLÜG“. Beide
Extreme sind auch davon überzeugt, dass eine Integration des Islam weder
möglich noch wünschenswert sei. Eine interessante Allianz, die offen legt, wie
sehr sich beide gegenseitig brauchen, um ihre jeweilige Propaganda zu
legitimieren!
Hier ist in der Tat Wachsamkeit von allen demokratischen Kräften gefordert. Sicher wäre es hilfreich, auch kommunikationstechnisch neue Wege zu gehen. Das Internet darf nicht allein den Predigern des Hasses überlassen werden, die dieses Medium leider virtuos zu missbrauchen wissen.
2.
Ausgrenzungserfahrungen von Jugendlichen ernst nehmen
Wichtig
ist meines Erachtens darüber hinaus im Gespräch mit den Jugendlichen zu
bleiben, die auf der Suche sind und sich von dieser Ideologie angezogen fühlen,
so anstrengend und mühsam dies mitunter auch sein kann. Wir sollten deren
häufig auf Ausgrenzungserfahrungen gründende Entfremdung von unserer
Gesellschaft ernst nehmen und alles daran setzen, ihnen das Gefühl zu geben
dazu zu gehören. Hierbei brauchen Eltern, LehrerInnen, PädagogInnen,
BeraterInnen und JugendarbeiterInnen alle notwendige Unterstützung.
3.
Sachorientierte Debatte um die Integration von Muslimen und interreligiösen
Dialog fördern
Dazu
zählt auch endlich eine sachorientierte Debatte um die Integration von Muslimen
zu führen, weg von der bisher dominierenden Skandalisierung und dem Schüren von
Ängsten und Feindbildern.
Die Fokussierung vor allem der Medien auf die Extreme verstellt den Blick auf all die muslimischen Menschen, die hier ganz normal und unauffällig als Nachbarinnen und Nachbarn leben. Mit ihnen muss der Dialog gestärkt, ihre Bemühungen um Integration wahrgenommen und unterstützt werden. Last but not least ist der interreligiöse Dialog wichtig, um wechselseitige Klischees und Vorurteile aufzubrechen und sich gemeinsam für ein konstruktives Miteinander einzusetzen. Dialog ist gesellschaftliche Friedensarbeit. Zu ihm gibt es – ich kann es nur immer und immer wieder wiederholen – keine Alternative.
Ilona Klemens
Ilona Klemens ist Pfarrerin für Interreligiösen Dialog in Frankfurt und hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Phänomen Salafismus beschäftigt und beobachtet deren Aktivitäten in Frankfurt und auch im Internet.
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Kommentar von mk | 23.02.2012
Was ist zu tun?
Am besten hingehen und sich möglichst viele dieser Bücher geben lassen - ehe sie in unrechte Hände fallen.
Kommentar von Chen-Xin Danny | 21.03.2013
Wenn ihr Christen nach der Bibel lebens würdet, also die von Jesus verkündigte Feindesliebe ( sic ) und Nächstenliebe
ernst nehmen würdet, hättet ihr Kartoffeln keine 6 Mio Juden und insgesamt 60 Mio Tote hinterlassen. Die
Hinterlassenschaften der Christen über mehrere Jahrhunderte trieben die Leuts
auf Scheiterhaufen im Namen des Herrn
und der Ku Klux Kahn wird ebenso im
Namen des Herrn morden und metzeln.
Da finde ich aber freudliche Salafisten
viel netter freundlicher .-...
Chen-Xin Danny